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22 Dec 2011
Computer Basteln 4

Deep Thought

... ist der Name des Supercomputers aus Douglas Adams' „Per Anhalter durch die Galaxis“, der von einer außerirdischen Kultur eigens dafür entwickelt wurde, die Antwort auf die Frage aller Fragen, nämlich die „nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“ zu errechnen. Fast so einen hab ich jetzt auch unter meinem Schreibtisch stehen.

Zugegeben: Videobearbeitung, Videokodierung oder das Arbeiten mit virtuellen Maschinen hat auf meinem 4-jährigen Rechner nun wirklich keinen Spaß mehr gemacht. Daher klickte ich mir Ende September diesen Jahres einen Rechner bei Alternate zusammen. Einfach um nur mal zu schauen, was es alles auf dem Markt gibt und was das überhaupt kosten würde. Genau jetzt musste die Neuanschaffung nicht unbedingt sein. Es war mehr oder minder einfach nur eine kleine Träumerei, was man denn haben könnte. Irgendwie hat ja alles auf der alten Kiste noch irgendwie funktioniert. Und ich bin ja jung, ich hab Zeit, ich kann warten. Oder so.

Parallel dazu unterhielt ich mich via Jabber mit Tobby; es entstand eine gewisse Art von Beratungsgespräch. Ich war ja nun was Hardware angeht überhaupt nicht mehr auf der Höhe, was state-of-the-art ist - im Gegensatz zu ihm. In vier Jahren passiert viel! Letztlich war alles zusammen gestellt. Und auf die Frage „Drück ich denn nun auf bestellen?“ sagte Tobby „Mach 's einfach.“ - und ich bereue heute nicht, da auf ihn gehört zu haben :)

Komponenten

Als CPU habe ich mir den Intel Core i7 2600K auserkoren. Wirklich ein kleines Wunderwerk der Technik, dachte ich, als ich mir nebst Wikipedia-Artikel diesen recht umfangreichen Test zur Sandy Bridge durchlas. Zumal sie besonders für Videocoding geeignet erscheinen - soweit man den diversen anderen Artikeln trauen kann. Ebenfalls die native AES-Verschlüsselung klang für mich sehr reizend zwecks Systemverschlüsselung. (Ich verschlüssele grundsätzlich alle Systeme - immerhin bewahre ich dort bspw. Zugangsdaten auf.) Gekühlt wird die CPU von einem Alpenföhn Brocken. Mit boxed Lüftern habe ich bzgl. der Lautstärke bisher schlechte Erfahrungen gemacht.

Das Mainboard kommt aus dem Hause ASUS und trägt die Bezeichnung: P8P67 Rev. 3.0. Dort gibt es nicht viel zu zusagen. Wichtig war mir, dass der Intel P67 - Chipsatz verbaut ist. Dieser unterstützt von Haus SATA-III. Übertakten ist für den „Notfall“ auch möglich. Man möchte ja für die Zukunft gerüstet sein. Letztlich habe ich ein günstiges Modell genommen von einem bekannten, weit verbreiteten Hersteller.

Als RAM wurden 16GB Corsair XMS3 verbaut. Auch hier gab es nicht viele Auswahlkriterien. Es musste nur genug sein, um auch mal 2-3 virtuelle Maschinen auf der Kiste zu starten, ohne dass direkt alles in die Knie geht. Mit einer CL-Time von 9 bin ich wohl auch gut bedient. Jedenfalls wäre ein Satz mit einer CL-Time von 7 doch signifikant teurer gewesen. Das war es mir dann nicht wert.

Bei der Grafikkarte gibt es bei mir eine Neuerung: Als eigentlich-bisher-nur-nvidia-User (CUDA FTW!) bin ich nun auf eine ATI Radeon HD 6870 umgestiegen. Das ist das erste Mal, dass ich zu etwas potenterem gegriffen habe. Vor 4 Jahren war GPU-Unterstützung noch ein kleines Mysterium. Heute greift so gut wie jede Software, die irgendwas mit Pixelschubsen zutun hat auf die GPU zurück. Außerdem wollte ich mal einfach mal wieder ein aktuelles Spiel mit hoffentlich umwerfender Grafik ausprobieren, um den Vergleich zu Anno dazumal - als ich noch mit dem PC spielte - mal zu sehen. Was spielt man heutzutage eigentlich so als High-End-Gamer? Pac-Man?

Bei der Systemfestplatte sollte etwas schnelles her. Keiner hat Lust auf Programmstarts zu warten. Ich natürlich auch nicht. Hier war also eine SSD absolut unumgänglich. Die Wahl fiel auf die Platte Mushkin Chronos mit 120GB Kapazität und einem Lesedurchsatz von bis zu 550MB/s. Hier habe ich nicht auf eine bekannte Marke gesetzt. In diesem Geschwindigkeitsregion hätte man sonst ein Vermögen hingeblättert. Zusätzlich dazu habe ich noch meine alte HDD für Daten verbaut, sodass die SSD nur Betriebssystem und Programme speichern muss. Andernfalls würde ich wohl schnell Probleme mit dem verfügbaren Speicherplatz bekommen. ;)

Erstmals habe ich mir auch ein BluRay-Laufwerk zugelegt und muss das nicht mehr ausleihen, falls ich dann doch noch mal eine BluRay einlesen möchte. Zumal selbst die BluRay-Brenner wirklich gut bezahlbar - ja fast überraschend günstig geworden sind! Letztlich griff ich ein einem LG BH10LS.

Beim Netzteil habe ich darauf geachtet, dass es 80+ zertifiziert ist. Immerhin soll der teuer gekaufte Strom ja auch in die Rechenpower gesteckt werden und nicht schon am Netzteil verbraten werden. Freilich: Ein typisches Stromsparersystem ist das hier vorgestellte nicht. Jedoch skalieren alle Komponenten recht gut, so dass nicht wirklich durchgehend der TDP der CPU von 95W verbraucht wird. Ich werde mal beizeiten ein entsprechendes Messgerät leihen und überprüfen, was ich mit diesem PC wirklich verbrauche.
Wir waren beim Netzteil: Gekauft wurde ein Sharkoon SilentStorm CM 560W. Praktisch daran ist das modulare Stecksystem: Man verbaut nur die Versorgungskabel, die man wirklich benötigt. Ebenso wurde eine Tasche und Klettkabelbinder mitgeliefert. Warum ist mir ehrlich gesagt schleierhaft?! Aber danke, Sharkoon. Nette Geste. Kann ich gebrauchen.

Beim Gehäuse kann man sich bezüglich der Investitionskosten streiten. Hier habe ich nicht wie sonst zum 40€ Standardgehäuse gegriffen, sondern habe a) etwas schlichtes, schwarzes und vor allem b) etwas schallisoliertes gesucht. Und ich wurde auch fündig: Ich nenne nun das LianLi PC-B10 mein Eigen. Ja, für ein bisschen Hülle ist der Preis schon recht gepfeffert. Ich muss aber sagen: Ein sehr geräumiges und durchdachtes Gehäuse. Einen Schraubendreher (nicht -zieher, wirklich! ;)) setzt man tendenziell eher selten an. Das meiste wird geklickt oder eingerastet. Wirklich nett! Dass die in meinem Fall selten genutzten optischen Laufwerke sich hinter einer Klappe befinden finde ich chic.
Die gewünschte Schallisolierung habe ich auch bekommen. Ich sage euch: Es kommt wirklich gar nichts mehr aus dem Gehäuse raus. Ich erwische mich immer dabei, wie ich nach dem Einschalten nachschaue, ob die Power-LED auch leuchtet. Denn eine Geräuschzunahme im Raum stellt man nicht fest. Natürlich geht das auch auf die Kappe der leisen verbauten Lüfter. Ich bin froh: Endlich Ruhe beim Arbeiten!!

Zusammenbau & erste Eindrücke

Nachdem ich alles verbaut hatte, passierte gar nichts. Wie immer, wenn ich am Basteln bin. Nach ein wenig Fehlersuche stellt sich heraus, dass ich wohl einen der RAM-Riegel nicht 100%ig gesteckt hatte. Dann kam der nächste Schock: Klicki-Bunti-BIOS. NEIN! Wo ist das schöne ASCII-BIOS hin? Immerhin lässt sich der „Expertenmodus“ aktivieren, der von der Menüführung und Tastaturbedienung an alt bekanntes erinnert. Zum Glück. Optisch spricht es aber wohl dennoch eher Wannabe-Pro-Pimp-Gamer an, deren Gehäuse an eine wassergekühlte LED-Hölle erinnern. Nunja, das BIOS funktioniert. Ich beschwere mich ja gar nicht.

Nun kommt der erste Geschwindigkeitstest: Windows7-Installation. Zwischen der Sprachauswahl vor der Installation und dem ersten Login sind gerade mal 12 Minuten vergangen. Verdammt schnell diese SSD! Ich war geflasht. (Wortwitz!)

Auch der vollständige Start vom Drücken des Powerbuttons bis zum Browser lässt sich wirklich sehen: 15,7s braucht das EFI BIOS (ganz schön lange, finde ich ...); Windows ist nach 10,5s am Start (Die Windows-Flaggen-Animation kommt noch nicht mal ganz zum Ende); 3,8s benötigen Anmeldung und der Browser, den ich testweise in den Autostart gepackt hatte. Macht genau 30 Sekunden.
Das alte System weist nach einer Neuinstallation folgende Werte auf: 23,3s BIOS; 50,2s Windows; 30,5s Anmeldung+Browser. Macht 104 Sekunden. Welten, die dazwischen liegen!

Dann habe ich den präzisesten und besten Benchmark, den es auf dem Markt überhaupt gibt, einmal zurate gezogen: den Windows Leistungsindex!
Alt: 3,9
Neu: 7,8

Eine weitere Überraschung hielten die wirklich schönen 4K Youtube-Videos mit Digitalkinoauflösung bereit: Auf dem alten System wurden nur etwa 2-3 Frames pro Sekunde dargestellt. Deep Thought zeigt sich dagegen völlig unbeeindruckt. Volle Framerate und die CPU gähnt irgendwo bei 10% Auslastung rum.

Jetzt musste nur noch die GPU gefordert werden. Dafür hatte ich mir sagen lassen, dass die 3DMark Benchmarks wohl ganz gut dafür geeignet wären. Also gut - die knapp 600MB (!!) große '06er Version runtergeladen, installiert und gestartet:
Alt: 4.022 Punkte
Neu: 26.695 Punkte

Fazit

Jetzt nach 3 Monaten Nutzung kann ich zusammenfassend sagen: Mit diesem PC habe ich mir das Arbeiten wesentlich angenehmer gestaltet. Die leisen Lüfter und das schallisolierende Gehäuse sorgen für Ruhe. An den flotten Programm- und Betriebssystemstarts ist die SSD mit ihren geringen Latenzzeiten schuld. Programme wie Lightroom, Photoshop und vor allem Premiere sind dank der spürbar flotten CPU und der Grafikkarte wieder angenehm flüssig bedienbar. Der in Massen vorhandene Arbeitsspeicher lässt auch 3 virtuelle Maschinen parallel zu.

„Das muss für die nächsten fünf Jahre reichen!“™

Anmerkung: Auch in diesem Post wurden alle Links, usw. aus freien Stücken gesetzt und resultieren nicht aus Begünstigungen irgendeiner Art. Letztlich soll dieser Post lediglich beratender Natur sein. Ein Bramarbasieren mit technischen Anschaffungen hat der Autor nicht nötig. ;)

Veröffentlich von Juergen Fitschen am 22.12.2011
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4 Kommentare wurden hinterlassen

#101.01.2012 20:37

Tobby:

Moin Jürgen
„Wichtig war mir, dass der Intel P67 - Chipsatz verbaut ist. Dieser unterstützt von Haus aus sowohl USB3.0, als auch SATA-III.“
Das stimmt so nicht. Weiterhin haben die Intel-Chipsätze kein natives USB 3.0 und sind auf externe Controller angewiesen. Schon die x57-Chipsätze sollten USB 3.0 bekommen, bekamen es dann aber doch nicht. Ebenso die x67-Chipsätze. Auch der Z68 bekam dann doch kein USB 3.0... Nach aktuellem Stand soll der Z77-Chipsatz - das Flaggschiff für Ivy Bridge - endlich USB 3.0 bekommen. Ob es dann wirklich so wird und ob auch die „kleineren“ x77-Chipsätze dann USB 3.0 bekommen, ist eine ganz andere Frage.
Ansonsten weiterhin viel Spaß mit deinem Rechner. Ich bin weiterhin neidisch auf das Ding, auch wenn mein Laptop zumindestens eeetwas mithalten kann ;-)

#202.01.2012 00:03

Jue:

Ohoh - da hatte ich tatsächlich etwas falsch verstanden gehabt. Danke für den Hinweis, Tobby! Ich hab 's mal ganz heimlich korrigiert ;)

#304.01.2012 18:32

Tobby:

Übrigens: Der erste Chipsatz (auch) für Ivy-Bridge ist draußen, der „X79“ - und auch der hat wieder kein USB 3.0 bekommen und ist außerdem ausstattungstechnisch nahezu identisch mit dem P67 :)

#411.06.2012 03:10

Jue:

Ich lernte soeben, dass Douglas Adams den Name „Deep Thought“ doch tatsächlich von „Deep Throat“ abgekupfert haben soll. Na denn: Wohl bekomms ;-)

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