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18 Jun 2012
Basteln Server NAS 0

New²ton

So werde ich den ihn wohl nennen - den Nachfolger von Newton.

Genau. Es handelt sich um einen neuen Server und nicht um die Reinkarnation des Schwerkrafterfinders. Ich hatte ja am 23.05.2012 berichtet, dass sich diverses Hühnerfutter diverse SMD-Teile vom RAM auf mysteriöse Weise gelöst hatten. Ebenso hatte sich ein Kanal des Speichercontrollers in den ewigen Ruhestand versetzt und verweigerte fortan den Dienst. Seitdem plagt mich der Server mit regelmäßigem Einfrieren. Da ich das Ding gewerblich nutze, war es also mal wieder höchste Zeit shoppen zu gehen. Wenn man das beim Onlineshopping überhaupt gehen nennen kann.

Nach kurzer Crashkurs-Informationstour im Internet durch einschlägige Foren und ein wenig Erfahrungsaustausch mit Tobby kaufte ich fluchs an einem Donnerstagabend kurz bevor man gesellig ins Béi Chéz Heinz ging (Ich weiß: Immer diese Stundenten, die in der Woche losgehen können. Absolut unmöglich.) noch mal eben schnell ein paar Ersatzteile bei meinem Standarddealer „Alternate“.

Bereits am Samstagmorgen um 13 Uhr holte mich der DHL-Mensch aus dem Bett und brachte folgendes:

CPU: Intel Core i5-2400

Da ich ja bereits in meinem Desktoprechner Deep Thought eine CPU aus der Core-i-Serie verbaut hatte und wirklich beeindruckt von der dargebotenen Performance und der gleichzeitig guten Skalierung beim Stormverbrauch bin, griff ich ein weiteres Mal zu einer CPU aus der „Sandy Bridge“-Architektur. Weil ich nun in Zukunft auch ein wenig Virtualisierung auf der Maschine nutzen möchte, ist es der i5-2400er geworden. Er ist neben dem i5-2500 der einzige „Sandy Bridge“er im Standard-Power-Bereich mit der Virtualisierungstechnik „VT-d“, um in Zukunft ggf. Peripherie an virtualisierte Maschinen durchzureichen. Ebenso gehört er zu Intels „vPro“-Plattform - wichtig damit er mit dem Motherboard harmonisiert.

RAM: Mushkin Essentials 8 GB DDR3-1333

Beim Arbeitsspeicher bin ich wie immer vorgegangen: Nach Preis sortieren und den nehmen, der zu Motherboard, CPU und Portemonnaie passt und einen ausriechend hohen Speichertakt mitmacht. Alle anderen Auswahl­kriterien halte ich für so sinnvoll wie vergoldete, gesondert geschirmte HDMI-Kabel für 503,99€.

Motherboard: Intel DQ670W

Das Motherboard „Intel DQ670W“ habe ich ausgewählt, weil es einen Q67-Chipset hat und somit die wunderbare Möglichkeit offeriert via AMT ferngesteuert zu werden. Großartiges Feature, wenn die Maschine tatsächlich mal Probleme machen sollte und man selber physikalisch gar nicht vor Ort ist. Und nach Murphy geht immer genau dann etwas kaputt. Nun kann ich sagen: „F*ck you, Murphy!“

SSD: OCZ Vertex 2 60GB Intel 330 Series 120GB

In Ermangelung einer IDE-Schnittstelle auf dem Motherboard (Floppy- und Parallelport sind aber vorhanden! Wer denkt sich so eine abgefahren Konstellation aus?) musste eine neue Festplatte her. Da ich ja nun die eine oder andere Virtuelle Maschine auf dem Server betreiben möchte, sollte es eine SSD sein. Sie soll dann wenigstens nebst Betriebssystem auch die Images der virtuellen Systemplatten beherbergen. Ich verspreche mir dadurch eine auch IO-technisch flotte Umgebung.

Update: Die OCZ Vertex 2 ist der - Pardon für die rabiate Ausdrucksweise - letzte Scheiß! Nach etlichen Ausfällen der Platte hatte ich die Nase gestrichen voll und bin auf eine Intel-SSD umgestiegen. Schaut euch also bei der Auswahl vorher gründlich im Internet um und kauft nicht irgendetwas. Einige Hersteller verwechseln Endkunden mit Beta-Testern.

Der Rest der Komponenten bleibt beim alten, weil sie kompatibel und intakt sind.

Aufbau bzw. Umbau

Der Aufbau ist insgesamt recht unspektakulär und es sieht noch immer fast wie vorher aus. Die einzige Besonderheit ist die Montage der SSD: Hier habe ich mich von acurus' quasi Hotplug-fähige Lösung inspirieren lassen, da der Platz in den 5,25"-Schächten durch die Einschübe ziemlich knapp ist. Vor dem Umbau hatte ich eine CF-Card mit Adapter direkt im PATA-Sockel stecken.

Verbrauch und Leistung

IdleLast
alt55W91W
neu35W100W

Mit einem Leistungsmessgerät der Genauigkeits­kategorie „Tchibo“ prüfte ich den Verbrauch des alten und des neue Systems für den Idle-Betrieb (hochgefahren; keine angemeldeten User; Hintergrund­dienste gestartet) und den Last-Betrieb (Tool „stress“ mit folgendem Aufruf: „stress -c 4“). Dabei waren keinerlei Festplatten - außer der Systemplatte - angeschlossen.

BogoMIPS
alt2004.34 pro Kern
neu6185.68 pro Kern

Um unter Linux-Systemen die Prozessor­geschwindigkeit grob vergleichen zu können, eignen sich für eine Einschätzung die BogoMIPS. Nebenstehende Tabelle zeigt die aus der Datei „/proc/cpuinfo“ auslesbaren Werte.

P1: XORP2: SSE2
alt6.884 MB/s4.241 MB/s
neu15.110 MB/s12.886 MB/s

Ein weiterer interessanter Vergleich ist die Geschwindigkeit, mit der der Prozessor die Paritätsinformationen des RAID6 berechnen kann.
Die erste Parität wird mittels XOR-Verknüpfung berechnet, die zweite mit dem Reed-Solomon-Code, wo die CPU auf den SSE2-Befehlssatz zurückgreift. Die Werte spuckt der Kernel beim Bootup aus und können in der Datei „/var/log/dmesg“ eingesehen werden.

LesenSchreiben
alt48,7 MB/s65,9 MB/s
neu575 MB/s855 MB/s

Des Weiteren soll die CPU des Servers ist die Ver- und Entschlüsselung aller Daten on-the-fly durchführen. Auf diese Werte war ich im Vorhinein schon gespannt, da ich extra eine CPU orderte, die AES nativ unterstützt und somit sehr gut beschleunigen dürfte. Als Verschlüsselungsverfahren setze ich „aes-cbc-essiv:sha256“ ein. Zu beachtet gibt es, dass man zuerst das Kernelmodul „aesni_intel“ laden muss, um auf die Beschleunigung zurückgreifen zu können. Als Test dient mir eine RAM-Disk, die ich via dm-crypt verschlüssele. Die Schreibgeschwindigkeit teste ich, indem ich die RAM-Disk mit dem hochspannenden, in unendlichen Mengen vorhandenen Inhalt von „/dev/zero“ beschreibe. Umgekehrt schreibe ich den Inhalt der RAM-Disk in das virtuelle schwarze Loch „/dev/null“ um die Lesegeschwindigkeit zu ermitteln.
Das Vorgehen für diesen Benchmark ist im debianforum beschrieben.

Fazit

Insgesamt bin ich mit dem neuen System echt zufrieden. Die an den Tag gelegte Leistung lässt sich meiner Meinung nach ganz gut sehen und reicht auf jeden Fall aus, um Gigabit-LAN vollständig zu saturieren. Dabei hat das System noch locker Luft nach oben, sodass ich in naher Zukunft dazu übergehen werden, die Serverdienste in einzelne virtuelle Maschine zu stecken. Ich habe da einfach ein besseres Gefühl bei, wenn Dienste für das lokale Netzwerk nicht zusammen mit denen für das Wild-Wide-West World-Wide-Web auf einer Maschine laufen.

Und ganz heimlich bin ich natürlich froh, dass sich das alte System zerlegt hatte und ich mir nicht mühsam irgendwelche Ausreden für mein Gewissen ausdenken musste, die ein Upgrade rechtfertigen ;-)

Veröffentlich von Juergen Fitschen am 18.06.2012
Zuletzt bearbeitet am 26.10.2012
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